Vorsignale werden aufgestellt, um die Stellung der Hauptsignale schon von weitem anzukündigen. Dies ist erforderlich, weil der Bremsweg eines Zuges (in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit und dem Anteil des gebremsten Zuggewichts) mehrere hundert Meter, bei Geschwindigkeiten über 160 km/h über einen Kilometer lang ist.

Ks Vorsignal der DB AGHl Vorsignal der Deutschen Reichsbahn

Entsprechend groß ist auch der Abstand zwischen einem Hauptsignal und dem dazugehörigem Vorsignal, denn die Vorsignale werden in der Regel im Abstand des Bremswegs aufgestellt. Da bei Geschwindigkeiten über 160 km/h ein Vorsignalabstand von 1000 m nicht ausreicht, um einen Zug vor einem Halt zeigenden Hauptsignal zum Stehen zu bringen, werden Strecken, auf denen mit höherer Geschwindigkeit gefahren wird, grundsätzlich mit Linienzugbeeinflussung (LZB) ausgerüstet. Hierbei wird dem Lokführer über eine zwischen den Schienen verlegte Kabelschleife eine Vorschau über die vor ihm ligende Strecke übermittelt. In Abhängigkeit von der Höchstgeschwindigkeit des Zuges sind dies zwischen vier und knapp zehn Kilometer. Für diesem Bereich erhält der Lokführer Informationen über die Ist- und Sollgeschwindigkeit sowie über die Entfernung des Punktes (Zielentfernung), an dem ggf. eine Geschwindigkeitsänderung erfolgt sein muss. Hier eine kurze Übersicht:

  • Zeigen den zu erwartenden Signalbegriff des dazugehörigem Hauptsignals oder dem Halt vor einem Schutzsignal oder Lichtsperrsignal an
  • das Vorsignal steht im Bremswegabstand zum Signal
  • der Standort des Vorsignals wird durch eine Vorsignaltafel (Ne 2) angezeigt - außer bei Vorsignalwiederholer
  • Vorsignale werden durch Vorsignalbaken (Ne 3) angekündigt - außer bei Vorsignalwiederholer
  • Wahrnehmung des Vorsignals entbindet Tf nicht von der Beachtung des Hauptsignals

Allgemeines

Ein Vorsignal ist ein Lichtsignal oder ein Formsignal das die Signalbegriffe des dazugehörigen Hauptsignals vorankündigt. Das Signal kann außer „Halt erwarten“ und „Fahrt erwarten“ noch Schutzsignale, Lichtsperrsignale anzeigen.

Je nach Standort oder Gegebenheiten werden Vorsignale als

  • Einfahrtvorignal (Evsig)
  • Ausfahrtvorsignal (Avsig)
  • Zwischenvorsignal (Zvsig)
  • Blockvorsignal (Bvsig)
  • Deckungsvorsignal (Dvsig)

eingeteilt.

Signalbegriffe am Vorsignal werden wie folgt angezeigt:

„Halt erwarten“
(1) Das Vorsignal in Stellung „Halt erwarten“ kündigt Halt am nächtsten Signal an.

"Fahrt erwarten“
(2) Das Vorsignal in Stellung „Fahrt erwarten“ kündigt am nächsten Signal „Fahrt“ an.

„Langsamfahrt erwarten“
(3)Das Vorsignal in Stellung „Langsamfahrt erwarten“ kündigt ein Hauptsignal an, ab den nur noch in der Regel 40 km/h gefahren werden darf. Langsamfahrten die davon abweichen werden mit ein zusätzlichen Signal Zs 3v angezeigt.

Signalbergriffe am Vorsignal - Grafik


Ankündigung eines Vorsignals

Alleinstehende Vorsignale werden im Voraus durch Vorsignalbaken (Ne 3) angekündigt. Diese 1600 x 400 mm große Tafeln stehen im Gesamtabstand von 250m (75m / 75m / 100m) vor dem Signal. An schwer einsehbaren Stellen kann die bis 400m in vorraus angekündigt werden.

Vorsignalankündigung durch Baken kurz vor Schkeuditz

Vorsignalbaken - Grafik


Kennzeichnung eines Vorsignal

Die Kennzeichnung eins alleinstehenden Vorsignal wird in der Regel mit einer Vorsignaltafel Ne 2 unmittelbar vor dem Signalträger beschildert. Hiervon ausgenommen sind Vorsignalwiederholer und Vorsignal die sich am Signalträger eines Hauptsignal befinden.

Kennzeichnung der Vorsignale kurz vor Schkeuditz

Vorsignaltafeln werden und wurden in der Vergangenheit wie folgt zugeordnet:

  • für alle Vorsingnale ohne Zusatzflügel (bei der DB seit 1959 für alle Vorsignale)
  • für Vorsignale mit Zusatzflügel (bei der DB nur bis 1959)
  • für zweibegriffige Vorsignale zu dreibegriffige Hauptsignalen DB ab 1959)
  • mit der Kennzeichnung für verkürzten Vorsignalabstand (DB ab 1959)
  • für zweibegriffige Vorsignale im verkürzten Vorsignalabstand (DR ab 1971)
  • dito für dreibegriffige Vorsignale und für Vorsignalwiederholer (ebenfalls DR seit 1971)
  • Vorsignaltafel mit einer Zuordnungstafel

Vorsignaltafeln - Grafik


Besonderheiten bei Vorsignalen

Vorsignal im verkürzten Bremswegeabstand

Vorsignal stehen im Bremswegeabstand auf Hauptstrecken von 1000m bis 700m und auf Nebenstrecken 700m bis 400m. Signale bei den der Bremswegeabstand aufgrund örtlicher Verhältnisse um mehr als 5 % verkürzt ist gelten besondere Vorgaben unter anderem eine gesonderte Kennzeichnung.

Lichtsignale, deren Abstand zu dem zugehörigen Hauptsignal kürzer ist als der Bremsweg der Strecke, werden bei der DB durch ein weißes Zusatzlicht am, bzw. bei Kompaktsignalen im Signalschirm in Höhe des oberen Signallichts kenntlich gemacht. Auf die zusätzliche Kennzeichnung durch das Dreieck auf der Vorsignaltafeln wird bei Lichtsignalen verzichtet, nicht jedoch auf die Ankündigung durch ein Dreieck auf der ersten Vorsignalbake.

Vorsignal im verkürzten Bremswegeabstand in Leipzig-Mockau

Vorsingnal im verkürztem Bremsweg - Grafik

Dunkelschaltung von Vorsignalen

Lichtvorsignale werden nach den gleichen Kriterien wie Formsignale aufgestellt. Dabei werden allerdings Lichtvorsignale, die am Standort eines Hauptsignals stehen (z. B. Ausfahrvorsignale, Vorsignale zu Blocksignalen), nicht vor dem Hauptsignal aufgestellt, sondern am gleichen Mast angebracht wie das Hauptsignal. Solange das Hauptsignal auf Hp0 oder Hp00 steht, sind sie dunkel (nicht zu verwechseln mit "abgeschaltet". Betrieblich abgeschaltete Signale zeigen ein weißes Kennlicht). Erst wenn das Hauptsignal Hp1 oder Hp2 anzeigt, leuchtet auch das Vorsignal auf. Diese Schaltung bietet den Vorteil, dass keine unnötigen Signalbilder erscheinen, denn die Stellung des folgenden Hauptsignal ist für einen Lokführer belanglos, solange er an dem ersten Hauptsignal nicht vorbeifahren darf. Die Dunkelschaltung der Vorsignale am Standort von Hauptsignalen ermöglicht darüber hinaus Signalstandorte, die bei Formsignalen nicht zulässig sind. So dürfen Lichtvorsignale in Verbindung mit Hauptsignalen auch vor Fahrwegverzweigungen aufgestellt werden, wenn sie nur für einen der folgenden Fahrwege gelten.Haben sie für einen eingestellten Fahrweg keine Funktion, sind sie ebenfalls dunkel.

Hauptsignal und Vorsignal an einem Mast sind in BetreibVorsignal in Dunkelstellung

Vorsignalwiederholer

Vorsignalwiederholer sind Eisenbahnsignale, die zwischen einem Vorsignal und dem dazugehörigen Hauptsignal stehen und das Hauptsignal nochmals ankündigen, also das Vorsignal wiederholen. Hauptsignale müssen ab einer bestimmten Entfernung unterbrechungsfrei vom Triebfahrzeugführer erkannt werden können (Mindestsichtbarkeit). Ist dies wegen Sichtbehinderung nicht möglich oder besteht Verwechslungsgefahr mit anderen Hauptsignalen, beispielsweise bei mehreren Hauptsignalen nebeneinander in einem Gleisbogen, werden Vorsignalwiederholer aufgestellt. Des Weiteren können Vorsignalwiederholer zur Beschleunigung des Betriebes aufgestellt werden, beispielsweise wenn ein Hauptsignal von einem etwa davorliegenden Bahnsteig aus schlecht erkennbar ist. An sehr unübersichtlichen Stellen können auch mehrere Vorsignalwiederholer aufgestellt sein.

Heutige Vorsignalwiederholer zeigen seit 1959 (DB) bzw. seit 1971 (DR) den gleichen Signalbegriff wie das entsprechende Vorsignal als Lichtsignal; ergänzt beim H/V-Signalsystem durch ein weißes Zusatzlicht auf der linken Seite des Signalschirmes in Höhe des oberen Signallichtes, beim Ks-Signalsystem durch ein weißes Zusatzlicht unter dem Signallicht, bei den ersten Ks-Signalen im Bereich der ehemaligen DR zusätzlich noch durch einen weißen Ring um die Signallichter. Sie erhalten keine Vorsignaltafel und werden nicht durch Vorsignalbaken angekündigt; beim Hl-Signalsystem besitzen sie aber eine rechteckige weiße Tafel mit schwarzem Ring und schwarzem Rand.

Vorsignalwiederholer im Bahnhof Hamburg-HarburgVorsignalwiederholer an einer Signalbrücke im Bahnhof Hamburg-Harburg Vorsignalwiderholer als aufgearbeitetes Hl Signal in Leipzig-Thekla

Vorsignalwiederholer - Grafik